Das Wechselmodell: 10 Dos und Don'ts

Unlängst surfte die freundliche Familienmediatorin auf Facebook, und wie viele gemerkt haben werden: Geht es um das Wechselmodell, geht es in den sozialen Medien hoch her. 

Wechselmodell

Nach meinem Geschmack etwas zu hoch und etwas zu her.

 

Das Wechselmodell wird ja für allerlei Ungemach verantwortlich gemacht, wenn es Probleme in der Entwicklung der Kinder gibt.

Nun muss das Wechselmodell auch dafür herhalten, wenn sich Frauen nicht aus einer Beziehung heraus trauen - aus Angst, sie könnten dann zum Wechselmodell gezwungen werden, trennen sie sich lieber gar nicht.

 

Wiederum andere behaupten, das Wechselmodell wäre ja gut und schön, könnte aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen gelebt werden... und dann werden Bedingungen formuliert, die auf etwa 50 Familien in Deutschland zutreffen würden.

 

Viele, die sich derzeit in einer Trennungssituation befinden, sind verunsichert, und das mit gutem Grund. 

Denn wir, die Wechselmodeller, haben keine Vorbilder, an denen wir uns orientieren können. Bis heute leben bei getrennten Paaren 80% der Kinder nur bei einem Elternteil - geschätzt, denn für Deutschland gibt es keine verlässlichen Zahlen. Es sind Studien zu den Auswirkungen des Wechselmodells in Arbeit, aber bislang beruft man sich auf Studien aus Skandinavien.  Viele verlassen sich also auf die sozialen Medien, wenn es um Ratschläge für den Alltag und Erfahrungsaustausch geht.

 

In einer dieser Facebook-Gruppen wurde nun die Frage in die Runde gestellt, auf was man denn so achten müsste beim Wechselmodell. Nun lebt die freundliche Familienmediatorin bekanntermaßen ja selbst das Wechselmodell und hat zudem in den vergangenen Jahren so manches Paar beraten, das sich trennen will und das Wechselmodell anstrebt.  Deshalb konnte ich (wie die Berliner sagen: aus der Lameng) habe ich geantwortet - sehr lange und sehr ausführlich, denn die Idee für einen blogpost zu dem Thema hatte ich schon eine Weile mit mir herumgetragen:

 

10 Dos und Don'ts beim Wechselmodell

 

1. Kein Gewaltproblem in der Beziehung. Wobei dann auch das Umgangsrecht in Frage gestellt werden muss. Wenn ich fürchte dass mein Ex-PartnerIn mit den Kindern (physisch und/oder psychisch) gewalttätig umgeht, dann rede ich mit ihm oder ihr nicht über jede zweite Woche oder jedes zweite Wochenende oder 2 Wochen Sommerferien, sondern gar nicht.

2.Kids first. Die Eltern können sich gegenseitig an die Gurgel gehen, wie sie wollen. Ich teile nicht die Meinung, WM funktioniert nur, wenn die Eltern so gut miteinander umgehen, dass sie auch genauso zusammenbleiben könnten. Das ist schlicht Quatsch. Aber in einem müssen sie sich tatsächlich einig sein: Dass sie die Kinder aus dem Streit raushalten.

3. Räumliche Nähe zumindest ausreichend, dass sie Schule, Kindergarten und Freunde gleichermaßen erreichen können

4. Kinder nicht gegeneinander ausspielen. In der schwierigen Trennungssituation sind Geschwister die größte Ressource. Also auf keinen Fall aufteilen.

5. Externe Hilfe suchen: Erziehungsberatung, Familienmediation. Der Blick von außen hilft enorm.

6. Geklärte Verhältnisse bez. der Finanzen. Einmal sich darauf einigen, wer was bezahlt. Wenn die Kinderbetreuung geklärt ist, suchen sich die Ex-Paare oft das Thema Geld, um sich gegenseitig zu ärgern (=Macht).

7. Großzügig sein, auch mit sich selbst. So lange man Eltern ist, bleibt man verbunden. Und mit der Trennung bleiben viele Probleme erhalten. Das WM ist kein perfektes System (genauso wenig wie die anderen Modelle). Also Nerven behalten und über einiges einfach mal hinwegsehen.

8. Den zeitlichen Rhythmus dem Alter der Kindern anpassen. Je kleiner, desto enger. Für kleine Kinder ist es enorm lange, eine Woche lang die Mutter oder den Vater nicht zu sehen.

9. Neue Partner sind ein schwieriges Thema, namentlich wenn man zusammenzieht. Soll der neue Partner die Rolle eines zweiten Vaters einnehmen? Noch schwieriger, wenn mit dem neuen Partner ein neues Kind kommt. Aufpassen, dass die Kinder aus der ersten Beziehung nicht zu Kindern 2. Klasse werden.

10. Unterschiedlicher Erziehungsstil: Beim Papa dürfen sie daddeln, bei der Mama nicht. Das ist tatsächlich halb so wild. Kinder sind da recht anpassungsfähig und kennen das: in der Schule oder bei den Großeltern dürfen sie ja auch andere Sachen als zuhause.